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Pseudo-Schwuler soll Gaza-Flottille diskreditieren
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, pinkwashing am 30. Juni 2011
Israelische Regierung schießt mit gefälschtem Youtube-Video wieder mal Eigentor in Sachen Gaza.
“Marcs” Blick ist treuherzig und seine Geschichte herzerweichend - allerdings frei erfunden. Ein israelischer PR-Manager ist in die Rolle eines naiven Schwulen-Aktivisten geschlüpft, der sich der internationalen Solidaritätsflotte für Gaza anschließen wollte. Die Organisatoren hätten ihn und seine Mitstreiter jedoch zurückgewiesen, weil sie keine Homosexuellen dabei haben wollten. Nach diesem Erlebnis, so “Marc” in dem Video, sei ihm aufgefallen, mit was für schlimmen Extremisten wie etwa der Hamas sich diese Menschenrechtler und pro-palästinensischen Aktivisten auf der Flotille da einlassen.
Dass es in der Blogosphäre nicht lange dauern würde, bis jemand die Fälschung aufdecken und den Schauspieler enttarnen würde, müsste eigentlich jedem klar gewesen sein. Statt ihre eigene Position (in diesem Fall gegen den Bruch ihrer Seeblockade gegen Gaza) wenigstens halbwegs sachlich zu präsentieren, hat sich die israelische Regierung mit dieser Pinkwashing-Aktion wiedermal lächerlich und vor allem bei Homosexuellen auch noch neue Feinde gemacht.
Nicht das erste PR-Eigentor Israels in Sachen Gaza. Vergangene Woche bekamen ausländische Korrespondenten in Israel einen Brief. Der Leiter des Presseamtes drohte darin, dass Journalisten, die auf Flottilla-Booten mitfahren, deportiert und zehn Jahre Einreiseverbot bekommen würden. Das wurde später zurückgenommen - nachdem es allerdings weltweit bereits für Negativschlagzeilen gesorgt hatte.
In peinlicher Erinnerung ist hier auch noch ein Brief eines ehemaligen Presseamtsleiters, der Journalisten in zynischem Tonfall ein angebliches Luxusrestaurant in Gaza empfahl, wenn sie das nächste Mal dahin reisen und über die Not dort berichten würden. Denn aus Sicht des besagten Presseamtsleiters ist die angebliche Not in Gaza nur eine Erfindung der palästinensischen Propaganda und der internationalen israelfeindlichen Presse. Als Beleg für diese These reichte ihm der Hinweis auf ein Mittelklasse-Restaurant, auf ein (noch immer nicht eröffnetes) Luxushotel und ein (ein einziges) Sportschwimmbecken im ganzen Gazastreifen mit seinen rund 1,5 Millionen Menschen.
Wer so eine PR-Abteilung hat, braucht sich natürlich um die Propaganda seiner Gegner keine Sorgen zu machen.
White-, Green-, und jetzt Pinkwashing
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser am 19. Mai 2011
Whitewashing, Schönfärberei, ist so alt wie Politik. Greenwashing - die Kunst, Politik, als umweltfreundlich zu verkaufen – ist in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel immer wichtiger geworden. Weniger diskutiert wird bislang, wie manche Politiker sich des “Pinkwashings” bedienen. Sie instrumentalisieren die Debatte um die Rechte von Homosexuellen, vor allem um sich gegen Muslime abzugrenzen. Laut dem Time-Magazin beklagen sich homosexuelle Aktivisten zunehmend über Israels “Pinkwashing”, das ihrer Meinung nach von Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Palästinensern ablenken solle.
Vor allem die amerikanische Homosexuellen-Bewegung, die sich in einer Reihe von Anti-Diskriminierungs-Kampagnen über die eigenen Probleme hinaus engagiert, ist tief gespalten darüber, wie sie sich im Nahostkonflikt positionieren soll. Gegen Israel polarisiert unter anderem die Gruppe ”Palestinian Queers for BDS” und auch die “Israeli Queers for Palestine”. Israel kann immerhin einen in der Szene prominenten Pornoproduzenten zu seinen aktiven Unterstützern zählen.
Auch in Europa wird seit Jahren ”Pinkwashing” praktiziert, um Immigranten aus islamischen Ländern als rückständig und radikal darzustellen. Ein Beispiel für die Instrumentalisierung von Homosexuellen, war ein Film, in dem unter anderem sich küssende Männer vorkamen, und der Muslime von der Einwanderung in die Niederlande abschrecken sollte.
