Artikel getaggt mit Israel
Einzeller und Palästinenser
Veröffentlicht von nahostpost in Israel am 17. Oktober 2012
Was haben die ersten Einzeller auf der Erde einerseits sowie Konflikte wie der zwischen Palästinensern und Israelis andererseits gemeinsam? Aus Sicht der deutschen Forschungsförderung lässt sich beides - zumindest laut einer DPA-Meldung von heute - unter dem Oberbegriff ”Leben unter extremen Bedingungen” erforschen.
DPA meldete, dass Bundesforschungsministerin Annette Schavan in Israel zwei Forschungszentren der deutsch-israelischen Minerva-Stiftung eingeweiht habe. “Beide Projekte befassen sich mit ,Leben unter extremen Bedingungen’”, heißt es. Später in der Meldung wird genauer erklärt: “Bei den neuen Minerva-Zentren handele sich um ein Forschungsvorhaben des Weizmann-Instituts in Rehovot zur Entstehung
des Lebens auf der Erde sowie um ein Programm der Universität Haifa zur Frage der Rechtstaatlichkeit unter extremen Bedingungen wie Naturkatastrophen oder kriegsähnlichen Konflikten”.
Deutsche Technik für israeliche Siedlung
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Wirtschaft am 27. August 2012

Arabische Arbeiter installieren deutsche Solarpanels auf dem Dach einer jüdischen Schule in einer Siedlung (laut Israel “jüdisches Stadtviertel”) in Ostjerusalem.
Die EU unternimmt zwar Anstrengungen, israelische Siedlungen in den besetzten Gebieten einschließlich Ost-Jerusalems zumindest von den Zollprivilegien auszuschließen, die Israel beim Einfuhr in die EU genießt. Aber exportieren können die Europäer dahin immer noch ungehindert. Die Postleitzahl der hier abgebildete Schule findet sich auf der neuen, von der EU-Kommission veröffentlichten Liste illegaler israelischer Siedlungen, die keine Zollpräferenzen bekommen sollen.
(Anzumerken ist, dass ein Exporteur nicht in jedem Fall nachverfolgen kann, in welchem Gebiet seine Ware am Ende landet, wenn er etwas etwa an ein israelisches Ministerium oder die Jerusalemer Stadtverwaltung landet.)
Offener Streit zwischen EU und Israel
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Wirtschaft am 16. August 2012
Der Ton zwischen israelischen und EU-Diplomaten ist in letzter Zeit geradezu feindselig geworden. Neuerster Aufreger: eine Liste der EU, die aus Israels Sicht unstrittige Städte zu Siedlungen erklärt. Die Brüsseler Kommission veröffentlichte erstmals eine Liste mit Orten in besetzten Gebieten, die keine Zollpräferenzen für Europa bekommen sollen. Diese Woche trat diese Liste in Kraft.
Israel hat der EU vorgeworfen, den Friedenprozess mit den Palästinensern zu torpedieren. Hintergrund ist ein neues Dokument, in dem die Brüsseler Kommission alle Ortschaften und jüdischen Siedlungen auflistet, die aus EU-Sicht in besetzten Gebieten und nicht in Israel liegen. Diese Orte sollen nicht in den Genuss von Zollermäßigungen bei der Einfuhr in die Union kommen, wie es laut dem EU-Assoziationsabkommen mit Israel bei Produkten aus dem israelischen Staatsgebiet von vor 1967 der Fall ist. Diese Regelung gilt bereits seit 2005. Bislang hatte die Kommission allerdings keine Ortsliste veröffentlicht.
„Es steht der EU nicht zu, diese Orte aufzulisten und damit ein Ergebnis der Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern vorwegzunehmen“, sagte eine Sprecherin des israelischen Außenministeriums. Damit habe die Kommission die „laufenden diplomatischen Verhandlungen gekappt“.
Die (wahrscheinlich) kleinste Solaranlage Palästinas
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Uncategorized am 7. August 2012
Seit der letzten Räumungsaktion der israelischen Armee gibt es in Um Faqarah keinen Strom mehr – fast keinen.
Die Soldaten rissen die – wie sämtliche Gebäude des Dorfes im Süden des Westjordanlandes ohne Baugenehmigung errichtete – Moschee nieder. Dabei brach auch der Verschlag dahinter zusammen, in der der alte Dieselgenerator stand, der die 14 Familien im Dorf mit Strom versorgte. An das Stromnetz ist Um Faqarah ebensowenig angebunden wie an das Wasser-, Abwasser oder Straßennetz. Aus Sicht der israelischen Militärverwaltung ist das ganze Dorf illegal auf einem Gelände für Übungen der Armee mit scharfer Munition erreicht worden.
Seit Mitte der Achtziger Jahre versucht das Militär, die (nach heutigem Stand) rund 1500 Palästinenser in 12 Dörfern auf diesem als “Firing Zone 918″ bekannten Gelände loszuwerden. 1999 wurden einmal alle Bewohner aus der der Zone deportiert. Doch nach fünf Monaten entschied Israels Oberster Gerichtshof, dass sie zurückkehren durften, da das Militär ihnen keine Alternative für eine Ansiedlung gestellt habe. Seitdem geht der Fall immer wieder vor verschiedenen Gerichten hin und her, und die Armee besteht zumindest darauf, dass keine neuen Gebäude (das beinhaltet auch Zelte, Ställe, Klohäuschen etc.) errichtet werden.
Laut Armee ähnelt das Terrain im Süden des Westjordanlandes dem Südlibanon. Und um auf künftige Kriege im Libanon besser vorbereitet zu sein, als auf die in der Vergangenheit, müssen die Soldaten genau hier üben. Zudem behauptet die Armee, dass die meisten Hirten in diesen Dörfern sich ohnehin nicht das ganze Jahr über hier aufhalten. Ein Großteil von ihnen habe Häuser in der nahen Stadt Yatta, was die Palästinenser allerdings heftig bestreiten.
Insgesamt hat die Militärverwaltung knapp ein Drittel der Gebiete im Westjordanland, die vollständig unter israelischer Kontrolle sind (sogeannte C-Gebiete) zu “Firing Zones” erklärt, auf denen sich niemand aufhalten darf. Dazu, welche Auswirkungen das auf das Leben der Palästinenser hat, die dort zum Großteil seit Generationen leben, hat das Uno-Büro für humanitäre Hilfe ein Fact Sheet erstellt.
Für die Bewohner von Um Faqarah, wie Familienvater Naaman Hamandi, hatte das zuletzt vor allem die Auswirkung, dass er nach der Abrissaktion mit seinen Kindern und seiner Frau komplett im Dunkeln saß. Die Hirten in dieser Gegend wohnen seit Generationen in Höhlen unter der Erde. Das habe den Vorteil, dass es da im Sommer viel kühler und im Winter viel wärmer wäre als in modernen Häusern, beschwört Naaman. Es hat aber auch den Nachteil, dass es dadrin sogar tagsüber stockdunkel ist. Eine Wahl hat er ohnehin nicht. Immer wenn jemand bisher versuchte, in Um Faqarah ein Haus oder auch nur ein Zelt über der Erde aufzustellen, wurde es über kurz oder lang von der Armee abgerissen.
Andere von Israel als illegal betrachtete palästinensische Dörfer in den C-Gebieten bekommen neuerdings Hilfe von israelischen oder europäischen Organisationen. So unterstützte die deutsche Bundesregierung etwa die Errichtung moderner Solaranlagen im Dorf Susja, das nicht weit von Um Faqarah liegt. In die “Firing Zones” kommen die Helfer bisher allerdings kaum. Hier ist schon allein das Betreten verboten, ganz zu schweigen vom Aufbau nicht genehmigter Anlagen oder Entwicklungsprojekte.
So musste Naaman Hamandi zur Selbsthilfe greifen, und baute aus solarbetriebenen Warnleuchten von einer Baustelle eine Funzel. In Israel (und in der von Israel kontrollierten Westbank) sind die Dinger oft solarbetrieben. Tagsüberladen sie sich auf und blinken dann die ganze Nacht. Naaman stellte die gelben Plastikhüllen mit der kleinen Photovoltaikplatte außen über dem Eingang seiner Höhle auf. Die Leuchtdioden und den Akku baute er aus, befestigte sie innen am Höhlendach und verband das ganze mit dünnen Drähten. Die Schaltung, die für das Blinken sorgt, enfernte er. Einen Schalter hat die Konstruktion nicht. Um das Licht, das aus vier winzigen Dioden schwächer als jede Taschenlampe besteht, anzumachen, muss man die Enden der Drähte aneinanderhalten.
Von Auschwitz nach Umm al-Fahm
Veröffentlicht von nahostpost in Gesellschaft, Israel, Palästinenser, Uncategorized am 30. Juli 2012
Eine jüdische-arabische Geschichte über die Schwierigkeit des gemeinsamen Umgangs mit dem Holocaust für die NZZ am Sonntag.
Terroristenjagd im Urlaub im Westjordanland
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser am 23. Juni 2012
Krasses Feature von der israelischen Nachrichten-Site Y-Net: Touristen können in Gush Etzion, einem israelischen Siedlungsblock im palästinensischen Westjordanland, ein ”Anti-Terror-Training” machen, mit echten automatischen Waffen rumballern und sich dabei vorstellen, sie schießen auf Palästinenser. Mindestalter: offenbar keines. Laut Y-Net findet ein amerikanischer Familienvater, dass das seinen Kindern die richtigen ”Werte” vermittelt.
Der Premier hat etwas gemalt…
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Uncategorized am 20. Juni 2012
Netanjahu ist ein Staatschef der Superlative. Er führt die größte Koalition seit Jahrzehnten in Israel an und die Weltmacht USA an der Nase herum. Laut seinem Pressebüro ist er nun sogar der erste Staatschef, der ein Doodle gezeichnet hat. Er übergab es gestern Google CEO Eric Schmidt persönlich.
Hier die offizielle Presseerklärung (meine Fettung):
Prime Minister Benjamin Netanyahu this afternoon, in his office, met with Google Executive Chairman Eric E. Schmidt. The Prime Minister gave him a Google doodle that he had drawn in accordance with suggestions he had received from websurfers in Israel.
The drawing is composed of an Israeli flag, a man sitting under an umbrella in the sun and the crystals discovered by the winner this year’s Nobel Prize in Chemistry, Prof. Dan Shechtman, as a symbol of Israel’s standing at the forefront of science and technology. The Prime Minister said, “This is Israel – science, sun and Google.” Schmidt said that Prime Minister Netanyahu was the first leader in the world to have drawn a doodle.
Plädoyer gegen Cyberkrieg
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Uncategorized am 7. Juni 2012
Cyberkrieg ist groß in Mode, auch und vor allem in Israel. Computerexperte Eugene Kaspersky warnte allerdings in Tel Aviv, dass Cyberwaffen wie der Virus „Flame“ außer Kontrolle geraten und „die Welt, wie wir sie kennen“ zerstören könnten.
Der Entdecker des Flame-Computervirus hat Regierungen und Militärs aufgefordert, keine Cyberwaffen zu entwickeln und einzusetzen. „Stoppt es, bevor es zu spät ist“, forderte Eugene Kaspersky, Gründer der IT-Sicherheitsfirma „Kaspersky Lab“ am Mittwoch auf einer Konferenz für Computersicherheit in der israelischen Stadt Tel Aviv. Ähnlich wie biologische Waffen, drohten Computerviren und andere Schadsoftware, sich unkontrolliert zu verbreiten und weltweit wahllos Schaden anzurichten. „Das könnte das Ende der Welt sein, wie wir sie kennen“, sagte Kaspersky, „wir sind in allen Lebensbereichen von IT-Systemen abhängig.“
Der flammende Appell des prominenten Computerexperten kommt zu einem Zeitpunkt, an dem immer mehr Staaten Computernetzwerke zu Schlachtfeldern erklären und spezialisierte Einheiten für Angriffe auf feindliche IT-Systeme aufstellen. Israels Armee hat vor wenigen Tagen erstmals offiziell erklärt, den Cyberspace für Spionagezwecke und bei Bedarf auch für Angriffe gegen Israels Feinde zu nutzen. Auch die Bundeswehr hat, wie jetzt bekannt wurde, eine Einheit für Cyberangriffe aufgestellt. Zudem berichten US-Medien, Präsident Barak Obama habe persönlich den Einsatz von „Stuxnet“ zur Sabotage des iranischen Atomprogramms befohlen. Wer den Flame-Virus entwicklet hat, eine der komplexesten aller bisher bekannten Spionagesoftware, die offenbar vor allem gegen den Iran und andere Ländern im Mittleren Osten eingesetzt wurde, ist bisher nicht geklärt. Kaspersky wollte sich nicht an Spekulationen dazu beteiligen.
Kaspersky hält diese Aktivitäten für unverantwortlich. Zum einen fände ein Wettrüsten statt, sagt er. „Bisher gibt es zwar noch nicht viele Staaten, die komplexe Waffen wie Flame entwickeln können“, sagte er. „Aber viele Staaten werden das erlernen wollen.“ Letztlich sei es eine rein finanzielle Frage, weltweit genügend professionelle Hacker zu rekrutieren, auch wenn es die im jeweiligen Staat selbst nicht gebe, warnte der Experte. Ein Programm wie „Flame“ zu schreiben, koste wahrscheinlich weniger als 100 Millionen Dollar, „vor allem für die Gehälter der Programmierer, für die Büroräume und Kaffeemaschinen“.
Zum anderen könnten Cyberwaffen nicht gezielt eingesetzt werden, sagte Kaspersky. „Ein Programm, das zur Sabotage eines bestimmten Kraftwerks bestimmt ist, kann auch jedes andere Kraftwerks vom selben Typ an jeden Ort der Welt treffen“, erklärte Kaspersky. „Es kann jeden von uns treffen.“ Deshalb sei das, was gemeinhin als „Cyberkrieg“ bezeichnet werde, seiner Meinung nach „Cyberterrorismus“.
Zwar könnten Staaten gefährdete Infrastruktur in begrenztem Maße gegen Viren schützen, indem sie sie mit speziellen sicheren Betriebssystemen und nicht mit herkömmlichen Systemen wie Windows-, Linux oder DOS betreiben. Gegen andere Arten von Attacken, wie etwa der Angriff, der 2007 Estlands gesamtes Internet lahmlegte, gebe es aber keine effektiven Verteidigungsmaßnahmen. Damit Cyberwaffen nicht weltweit das gesamte Internet zerstörten, müssten Regierungen dringend einschreiten. „Die Staaten müssen sich zusammentun und ein Abkommen schließen, wie sie es in der Vergangenheit etwa bei Nuklear- und biologischen Waffen getan hätten“, sagte Kaspersky.
Harte Worte fand Kaspersky für sogenannte „Hacktivisten“ – Aktivisten, die aus politischen Gründen Computerangriffe gegen als bösartig wahrgenommene Regierungsinstitutionen, Unternehmen oder Banken durchführen. „Diese Aktivitäten sind der erste Schritt zum Terrorismus“, sagte Kaspersky. Zudem biete die Hacktivisten-Szene ein großes Reservoir für Staaten oder andere Akteure, die Fachleute für die Entwicklung gefährlicher Cyberwaffen rekrutieren wollen.
Al-Dschasira auf jüdisch
Veröffentlicht von nahostpost in Israel am 16. Oktober 2011
Gleich mehrere jüdische Mäzene wollen Fernsehkanäle gründen, die Israels Image in der Welt verbessern sollen. Der erste ist jetzt auf Sendung gegangen. Vorbild und Feindbild ist der arabische Meinungsführer al-Dschasira.
- NZZ am Sonntag, 16. Oktober 2011
Ein Mann, viele Geburtstage
Veröffentlicht von nahostpost in Israel am 18. August 2011
Israelische Zeitungen berichteten gestern über den 88. Geburtstag von Präsident und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres am Vortag. Oder am kommenden Sonntag? Oder schon Anfang des Monats? Peres hat sich im Laufe der vergangenen Jahren öfter mal umentschieden, wann er Geburtstag feiern will. Nur das Jahr seiner Geburt im damaligen Polen, 1923, steht zweifelsfrei fest.






