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Manche Palästinenser dürfen wieder wählen
Veröffentlicht von nahostpost in Uncategorized am 19. Oktober 2012
Mit jahrelanger Verspätung findet in den Palästinensergebieten endlich wieder eine Wahl statt. Doch nur wenige dürfen mitmachen.
Mein Artikel aus der FTD zu den Lokalwahlen im Westjordanland:
Erstes Kraftwerk im Westjordanland und die Illusion von Unabhängigkeit
Veröffentlicht von nahostpost in Palästinenser, Uncategorized am 30. September 2012
Mit großem Brimborium hat die Palästinensische Autonomiebehörde das erste Solarkraftwerk und damit das erste Kraftwerk überhaupt im Westjordanland, das Strom ins öffentliche Netz einspeist, eingeweiht. Bisher gibt es einige kleine (noch kleinere) Solarprojekte und natürlich viele Dieselgeneratoren, die aber nicht mit dem allgemeinen Stromnetz verbunden sind. Trotz dieses “historischen Datums”, wie Energieminister Omar al-Kitaneh das Ereignis würdigte, droht vielen Palästinensern in den kommenden Tangen oder Wochen der Blackout.
Das Solarfeld bei Jericho, das gab auch der Minister in seiner Festansprache zu, hat vor allem symbolischen Wert. Die Nennleistung beträgt gerade einmal 300 kW. Am Eröffnungstag war auch noch, was in der Wüstenstadt Jericho äußert selten ist, der Himmel bedeckt, und das Kraftwerk schaffte noch nicht einmal 100 kW. (Zum Vergleich: ein einzelnes modernes Windrad in Deutschland bringt es in der Regel auf mehr als 2 MW.)
Die historische Bedeutung liege darin, dass Palästina nun zu den Ländern gehöre, die professionell und komerziell aus erneuerbaren Energien Strom gewinnen, so al-Kitaneh. Als kommerziell kann das Projekt allerdings kaum durchgehen - wegen seiner Winzigkeit und weil es ausschließlich mit japanischen Entwicklungshilfegeldern bezahlt wurde. Ein reiner Hoffnungswert ist daher auch die Ankündigung des Ministers, dass nun “in allen Gouvernoraten” zahlreiche solcher Kraftwerke, finanziert von privaten Investoren aus dem Boden schießen werden, da mit dem ersten Kraftwerk bewiesen sei, wie gut die Investitionsbedingungen für Solarenergie im Westjordanland seien.
Die Situation bei der Stromversorgung im Westjordanland belegt derzeit weniger den Fortschritt beim Staatsaufbau hin zu “einem Leben in Unabhängigkeit und Freiheit für unser Volk”, wie Ministerpräsident Salam Fayyad bei der Eröffnungsfeier dichtete, sondern die existenzielle Krise der Autonomiebehörde und ihre völlige Abhängigkeit von Israel und ausländischen Geldgebern. In den vergangenen Wochen gab es bereits wiederholt Demonstrationen gegen Fayyad und seine Regierung, die ihre Angestellten seit Monaten nicht mehr vollständig bezahlen kann. Gleichzeitig steigen die Kosten für Lebensmittel, Sprit und andere Dinge stark. Die Behörde hat zwar einige Maßnahmen beschlossen, aber kann nichts davon bezahlen ohne zusätzliche Spenden von außen.

Unter bedecktem Himmel bleibt das Solarkraftwerk am ersten Tag weit unter seiner Nennleistungs von 300 kW. Man beachte den kleinen “From-the-people-of-Japan”-Aufkleber, der auch auf dem Monitor wie auf nahezu jedem Gegenstand hier klebt
Manche Palästinenser bei den Protesten sind sauer auf Premier Fayyad und dessen liberalen Wirtschaftskurs, viele sind aber vor allem desillusionliert von dem Projekt Autonomieverwaltung insgesamt, die ständig Pleite und aufgrund der Besatzung gar nicht die Möglichkeiten besitzt, die Lebensumstände ihrer Bürger zu verbessern.
In den kommenden Tagen droht Tausenden Palästinensern im Westjordanland und Ostjerusalem, der Strom abgestellt zu werden. Bei dem israelischen Stromerzeuger, von dem die Behördeneigene Firma JDEC den Strom für die Palästinensergebiete bezieht, sind Schulden von mehr als 100 Millionen Dollar aufgelaufen. Die Israelis haben schon mehere Deadlines immer wieder aufgeschoben, aber weder JDEC noch die Behörde können einen signifikanten Teil des Geldes aufbringen. Wenn die Israelis tatsächlich den Strom in großen Teilen des Westjordanlandes abstellen, dürfte das die Autonomiebehörde ihrem Zusammenbruch deutlich näher bringen. Die paar Kilowatt vom Solarkraftwerk helfen dann auch nicht weiter.
Die Israelis haben derzeit kein Interesse daran, die Behörde weiter zu schwächen, da sie im Falle von deren Zusammenbruch selbst die komplette Verwaltung des Westjordanlandes wieder übernehmen müssten. Daher lassen sie vielleicht noch eine Weile Gnade walten. Aber allein die wiederholte Drohung, den Strom zu kappen, dient als ständige Erinnerung an die völlig Abhängigkeit der Behörde, die nicht für ihre “Bürger” sorgen kann.

Der Gouverneuer von Jericho, Energieminister al-Katani, Ministerpräsident Fayyad, und der Repräsentant Japans

Wüste: Das Solarkraftwerk liegt in einem Industriepark vor Jericho, bisher haben sich hier aber kaum Unternehmen angesiedelt
Anmerkung: das einizige palästinensische Kraftwerk bisher, ein unter ständigem Ersatzteilmangel leidendes, unterdimensioniertes Dieselkraftwerk, steht im Gazastreifen.
Tänze in Jerusalem
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Kultur, Palästinenser, Uncategorized am 19. August 2012
Zwei, nicht mit einander zusammenhängende Szenen in Jerusalem, auf die ich kurz hintereinander gestoßen bin…
Verzeihung für die Handy-mässige Qualität der Aufnahmen!
Koschere Telefone behindern Raketenalarm
Veröffentlicht von nahostpost in Uncategorized am 17. August 2012
Das Heimatschutzkommando der israelischen Armee hat in den vergangenen Tagen ein Warnsystem für Raketenbeschuss getestet, bei dem die Bewohner in bestimmten Gebieten, in denen ein Einschlag erwartet wird, per SMS auf dem Handy gewarnt werden. Im Süden Israels in der Nähe des Gazastreifens wird das System schon seit einiger Zeit genutzt.
Bei der Ausweitung des System auf das ganze Land gilt es nicht nur technische Hürden zu überwinden, sondern auch religiöse. Mehrere Hunderttausend ultraorthodoxe Juden, die im Zentrum Israels und in Jerusalem wohnen, nutzen nur “koschere” Mobiltelefone. Das heißt vor allem, dass die SMS-Funktion, Internet ect. nicht zugänglich sind. Aber ultraorthodoxe Tüftler arbeiten laut der Jerusalem Post schon daran, das Problem zu beheben.
Gazas Gasfeld
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Uncategorized, Wirtschaft am 15. August 2012
Eine interessante Analyse, die daran erinnert, dass die allgemeine Wahrnehmung, in den Palästinensergebieten gebe es keine Bodenschätze, nicht zutrifft.
http://al-shabaka.org/policy-brief/economic-issues/gas-fields-gaza-gift-or-curse
Die Palästinenser haben nur bisher nichts von ihren Ressourcen. Zusätzlich zu dem Gasfeld vor Gaza gibt es auch ein Ölfeld, das zumindest teilweise unter dem palästinensischen Westjordanland liegt. Ganz zu schweigen von den Mineralien des Toten Meeres, die ganz, und dem Kalkstein, der teilweise von israelischen Unternehmen abgebaut und vermarktet wird.
Leben im Horror-Dreieck
Veröffentlicht von nahostpost in Uncategorized am 8. August 2012
Vergleiche hinken immer und führen vor allem in Nahen Osten oft völlig in die Irre. Aber bei einem Besuch im Kibbutz Kerem Schalom, der dem einzigen Waren-Übergang in den Gazastreifen den Namen gegeben hat, erinnerte mich heute die Entschlossenheit der Bewohnern, dem ständigen Granatbeschuss und nun Risiko von Angriffen aus Ägypten heraus zu trotzen, unwillkürlich an das Ausharren der Palästinser auf der “Firing Zone 918″, die ich gerade vor zwei Tagen besucht hatte.
Der Kibbutz Kerem Schalom (deutsch “Weinberg des Friedens”) hat nicht nur einen romantischen Namen. Er ist auch einer der wenigen verbliebenen “echten” Kibbutzim fast ohne persönliches Eigentum, wo alle Mitglieder noch entweder direkt für die Gemeinschaft arbeiten oder ihr komplettes Gehalt in die Gemeinschaftskasse einzahlen. Wenig romatisch ist allerdings die Lage des Kibbutz im Dreieck zwischen dem Gazastreifen, Ägypten und Israel.
“An die ständigen Granaten aus Gaza sind wir ja gewöhnt”, sagt Andy ein 58-jähriger Biologe, der in der ausgedehnten Landwirtschaft des Kibbutz arbeitet. Daran, dass der Gazastreifen nur wenige hundert Meter entfernt ist, erinnert - auch wenn gerade Ruhe herrscht – die massive Betonwand, die die Siedlung halb einschließt und direkten Beschuss verhindern soll.
Dass es wiedermal Granateneinschläge geben würde, dachten auch die Bewohner am vergangenen Sonntagabend zunächst, als sie über SMS alarmiert und zum Aufsuchen der Schutzräume aufgerufen wurden. Als sie da allerdings bis Mitternacht bleiben mussten, “ahnten wir, dass diesmal etwas schlimmeres passiert ist”, erzählt Andy.
Tatsächlich hatten - immer noch offiziell nicht identifizierte – Angreifer in der Zwischenzeit einen ägyptischen Polizeiposten auf der ägyptischen Seite der Grenze gestürmt, 15 oder 16 Polizisten ermordet, ein gepanzertes Fahrzeug gestohlen, den Grenzübergang Rafah nach Isarel (nicht zu verwechseln mit dem Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza weiter im Nordwesten) mit einem sprengstoffbeladenen Lkw in die Luft gesprengt und waren mit dem gepanzerten Fahrzeug nach Israel eingedrungen. Das alles spielte sich in einem Radius von nur wenigen Kilometern des Kibbutz ab. Kurz bevor es von den Israelis (wahrscheinlich aus der Luft) komplett zerstört wurde, passierte das Fahrzeug der Terroristen die Zufahrtstraße des Kibbutz. Armeeangehörige gehen davon aus, dass es reiner Zufall ist, dass sie nach Kerem Schalom nicht abbogen.
Allen im Kibbutz und in Israel ist klar, dass die Bedrohung aus dem ägyptischen Sinai zusätzlich zum Raketen- und Granatenbeschuss aus Gaza auf absehbare Zeit nicht wieder verschwinden wird. In Kerem Schalom denke allerdings keiner ans Wegziehen, erzählt Andy. Im Gegenteil der Kibbutz wachse sogar seit Jahren. Derzeit gibt es mehr Anfragen interessierter Familein als die Gemeinschaft aufnehmen kann.
Update zur “Firing Zone 918″
Veröffentlicht von nahostpost in Uncategorized am 8. August 2012
Die Menschenrechtsorganisation B’tselem und Operation Dove dokumentieren eine Armeerazzia in “Jinba” innerhalb der “Firing Zone 918″, in der auch das Dorf Um Faqarah liegt, das ich am Montag besucht und über das ich gestern hier berichtet habe.
Die (wahrscheinlich) kleinste Solaranlage Palästinas
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Uncategorized am 7. August 2012
Seit der letzten Räumungsaktion der israelischen Armee gibt es in Um Faqarah keinen Strom mehr – fast keinen.
Die Soldaten rissen die – wie sämtliche Gebäude des Dorfes im Süden des Westjordanlandes ohne Baugenehmigung errichtete – Moschee nieder. Dabei brach auch der Verschlag dahinter zusammen, in der der alte Dieselgenerator stand, der die 14 Familien im Dorf mit Strom versorgte. An das Stromnetz ist Um Faqarah ebensowenig angebunden wie an das Wasser-, Abwasser oder Straßennetz. Aus Sicht der israelischen Militärverwaltung ist das ganze Dorf illegal auf einem Gelände für Übungen der Armee mit scharfer Munition erreicht worden.
Seit Mitte der Achtziger Jahre versucht das Militär, die (nach heutigem Stand) rund 1500 Palästinenser in 12 Dörfern auf diesem als “Firing Zone 918″ bekannten Gelände loszuwerden. 1999 wurden einmal alle Bewohner aus der der Zone deportiert. Doch nach fünf Monaten entschied Israels Oberster Gerichtshof, dass sie zurückkehren durften, da das Militär ihnen keine Alternative für eine Ansiedlung gestellt habe. Seitdem geht der Fall immer wieder vor verschiedenen Gerichten hin und her, und die Armee besteht zumindest darauf, dass keine neuen Gebäude (das beinhaltet auch Zelte, Ställe, Klohäuschen etc.) errichtet werden.
Laut Armee ähnelt das Terrain im Süden des Westjordanlandes dem Südlibanon. Und um auf künftige Kriege im Libanon besser vorbereitet zu sein, als auf die in der Vergangenheit, müssen die Soldaten genau hier üben. Zudem behauptet die Armee, dass die meisten Hirten in diesen Dörfern sich ohnehin nicht das ganze Jahr über hier aufhalten. Ein Großteil von ihnen habe Häuser in der nahen Stadt Yatta, was die Palästinenser allerdings heftig bestreiten.
Insgesamt hat die Militärverwaltung knapp ein Drittel der Gebiete im Westjordanland, die vollständig unter israelischer Kontrolle sind (sogeannte C-Gebiete) zu “Firing Zones” erklärt, auf denen sich niemand aufhalten darf. Dazu, welche Auswirkungen das auf das Leben der Palästinenser hat, die dort zum Großteil seit Generationen leben, hat das Uno-Büro für humanitäre Hilfe ein Fact Sheet erstellt.
Für die Bewohner von Um Faqarah, wie Familienvater Naaman Hamandi, hatte das zuletzt vor allem die Auswirkung, dass er nach der Abrissaktion mit seinen Kindern und seiner Frau komplett im Dunkeln saß. Die Hirten in dieser Gegend wohnen seit Generationen in Höhlen unter der Erde. Das habe den Vorteil, dass es da im Sommer viel kühler und im Winter viel wärmer wäre als in modernen Häusern, beschwört Naaman. Es hat aber auch den Nachteil, dass es dadrin sogar tagsüber stockdunkel ist. Eine Wahl hat er ohnehin nicht. Immer wenn jemand bisher versuchte, in Um Faqarah ein Haus oder auch nur ein Zelt über der Erde aufzustellen, wurde es über kurz oder lang von der Armee abgerissen.
Andere von Israel als illegal betrachtete palästinensische Dörfer in den C-Gebieten bekommen neuerdings Hilfe von israelischen oder europäischen Organisationen. So unterstützte die deutsche Bundesregierung etwa die Errichtung moderner Solaranlagen im Dorf Susja, das nicht weit von Um Faqarah liegt. In die “Firing Zones” kommen die Helfer bisher allerdings kaum. Hier ist schon allein das Betreten verboten, ganz zu schweigen vom Aufbau nicht genehmigter Anlagen oder Entwicklungsprojekte.
So musste Naaman Hamandi zur Selbsthilfe greifen, und baute aus solarbetriebenen Warnleuchten von einer Baustelle eine Funzel. In Israel (und in der von Israel kontrollierten Westbank) sind die Dinger oft solarbetrieben. Tagsüberladen sie sich auf und blinken dann die ganze Nacht. Naaman stellte die gelben Plastikhüllen mit der kleinen Photovoltaikplatte außen über dem Eingang seiner Höhle auf. Die Leuchtdioden und den Akku baute er aus, befestigte sie innen am Höhlendach und verband das ganze mit dünnen Drähten. Die Schaltung, die für das Blinken sorgt, enfernte er. Einen Schalter hat die Konstruktion nicht. Um das Licht, das aus vier winzigen Dioden schwächer als jede Taschenlampe besteht, anzumachen, muss man die Enden der Drähte aneinanderhalten.
Von Auschwitz nach Umm al-Fahm
Veröffentlicht von nahostpost in Gesellschaft, Israel, Palästinenser, Uncategorized am 30. Juli 2012
Eine jüdische-arabische Geschichte über die Schwierigkeit des gemeinsamen Umgangs mit dem Holocaust für die NZZ am Sonntag.
Das schwere Erbe des Bürgerkriegs
Veröffentlicht von nahostpost in Südsudan, Uncategorized am 10. Juli 2012
Das Blut von 2,5 Millionen Märtyrern verpflichtet – dazu, noch mehr Blut zu vergießen?








