Für das Stück, das die Aktivisten der Organisation “Combatants for Peace” hier vor den Dorfbewohnern von Ezbet Tabib im im Westjordanland aufführen, bedarf es kaum einer Übersetzung. Die Handlung ist leicht verständlich. Ein palästinensischer Bauer bestellt sein Land. Doch ein jüdischer Siedler zerstört die Felder, da hier aus seiner Sicht “das Land Israel” ist, und der Araber sich nicht einbilden soll, es gehöre ihm. Zudem fordert er, dass die Häuser und die Schule des Dorfes abgerissen werden, da sie eine Gefahr darstellten. Es kommt zum Handgemenge. Der Siedler ruft die israelische Armee zu Hilfe, die den palästinensischen Bauern festnimmt.
Dies entspricht genau dem, was in seinem Dort seit Jahren vor sich gehe, erzählt Musa Tabib, der Koordinator des örtlichen Volkswiderstandskomitees. Ezbet Tabib ist eines der vielen „illegalen“ Dörfer in den C-Gebieten, dem Teil des Westjordanlandes, der vollständig vom israelischen Militär verwaltet wird. “Illegal” bedeutet, dass diese Dörfer, obwohl sie meist vor Beginn der israelischen Besetzung gegründet wurden, für die Israelis offiziell nicht existieren, die Häuser keine Genehmigung haben, und viele grundlegende Dienstleistungen wie Schulen und Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet sind. Im Fall von Ezbet Tabib seien 33 der 45 Häuser vom Abriss bedroht, inklusive der von den Palästinensern selbst gebauten Grundschule, erzählt Musa. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen seien durch den Bau des israelischen Sperrzaunes vor Jahren schon vom Dorf abgetrennt worden und weitere Flächen sollen nun für eine neue Schnellstraße enteignet werden. Regelmäßig käme es zu Übergriffen durch jüdische Siedler auf die Dorfbewohner.
Dutzende Dörfer in den C-Gebieten (gut 60 Prozent der Fläche) leiden unter ganz ähnlichen Problemen. Die EU etwa hat in diesem Punkt ihre Kritik an Israel deutlich verschärft in den vergangenen Monaten. Israel streitet das ab. Die Regierung verweist auf Anfrage darauf, dass die Bewohner der nicht anerkannten Dörfer sich schlicht nicht an den ordnungsgemäßen Planungsprozess gehalten hätten. Die Dörfer, die schon bei der Besetzung 1967 bestanden, aber keinen offiziellen Statut unter der jordanischen Verwaltung hatten, hätten diesen sofort bei den Israelis beantragen müssen. Anders als oft behauptet, sei dies möglich gewesen.
Viele der betroffenen Dörfer sind Flüchtlingsgemeinschaften, die aus dem heutigen Israel stammen. Die Familie Tabib, nach der Ezbet Tabib benannt ist, stamme aus der Nähe der heutigen israelischen Stadt Raanana, erzählt Musa (da alle hier den Familiennamen Tabib tragen, bleibe ich beim Vornamen). „Sie wollen uns hier vertreiben. Aber wo sollen wir hin. Das alte Land unserer Familie haben sie schon nach dem Krieg 1948 enteignet.“ Um die Zerstörung des Dorfes und weitere Enteignungen zu verhindern, haben die Bewohner jetzt eine „Reihe von Widerstandsaktivitäten“ gestartet, so Musa. Dazu gehörte das Theaterstück, sowie in Sit-in im Streikzelt im Dorf und regelmäßige Demonstrationen. Auch damit reiht sich Ezbet Tabib ein, in Dutzende Dörfer, die teils seit Jahren regelmäßig gegen Enteignungen durch Israel protestieren.
