Seit 14 Jahren betreibt Raed seinen Friseursalon in Dschabalija im Gazastreifen. Die Lage sei wiedermal schlecht, erzählt Raed, der wie offenbar Friseure überall in der Welt gerne erzählt. Vor allem hätten die Kunden kaum Geld, die Preise für Haarschnitte, Rasuren etc. seien zu niedrig.
Dazu gibt es wieder einmal kaum Strom. Erst vor wenigen Wochen war es mal etwas besser geworden, weil das Emirat Katar begonnen hatte Sprit in den Gazastreifen zu liefern. Daraufhin konnte das einzige Kraftwerk in Gaza zum ersten Mal seit 2006 zumindest ein paar Stunden pro Tag auf vollen Touren laufen. Das heißt dann, dass gemeinsam mit den Stromlieferungen aus Israel und aus Ägypten dann zwischen der Hälfte und zwei Dritteln des Strombedarfs in Gaza gedeckt werden kann. Doch diese etwa bessere Zeit war vor knapp zwei Wochen wieder vorbei, als Ägypten infolge des Terroranschlags auf seine Soldaten auf dem Sinai unweit des Gazastreifen, die Grenze wieder dichtmachte und die Spritlieferungen stoppte. Nun gibt’s für Raed wieder eine oder vielleicht zwei Stunden Strom am Tag. Wann, weiß man auch nie genau. Deshalb rufe er, wenn es Strom gibt, sofort seine Kunden per Handy auf der Warteliste an, die dann so schnell wie möglich kommen. Geregelte Öffnungszeiten gibt es nicht mehr.
Ohne Strom, dass heißt ohne Licht, Föhn und vor allem diverse Haarschneidemaschinen kann Raed seine Kunst nicht ausüben – nicht bei den anspruchsvollen Herren im Gazastreifen! Für einen mitteleuropäischen Besucher ist es durchaus überraschend, welchen Aufwand nicht nur pubertierende Jungs, sondern auch alte Islamisten mit Vollbärten und traditionellen arabischen Gewändern bei der Haarpflege betreiben. Der Gel- und Haarsprayverbrauch in Raed’s Salon in enorm. Ohne die Augenbrauen gezupft zu bekommen, geht hier niemand aus dem Laden, selbst gestanden alte Männer nicht. Einer der Kunden erzählte, der habe sogar im Salon übernachtet, weil es am Vorabend, als er kam, wiedermal keinen Strom gab. Statt unfrisiert nach hause zu gehen, habe er beschlossen zu warten, bis der Strom wieder da ist.

