Die (wahrscheinlich) kleinste Solaranlage Palästinas

Seit der letzten Räumungsaktion der israelischen Armee gibt es in Um Faqarah keinen Strom mehr – fast keinen.

 Die Soldaten rissen die – wie sämtliche Gebäude des Dorfes im Süden des Westjordanlandes ohne Baugenehmigung errichtete – Moschee nieder. Dabei brach auch der Verschlag dahinter zusammen, in der der alte Dieselgenerator stand, der die 14 Familien im Dorf mit Strom versorgte. An das Stromnetz ist Um Faqarah ebensowenig angebunden wie an das Wasser-, Abwasser oder Straßennetz. Aus Sicht der israelischen Militärverwaltung ist das ganze Dorf illegal auf einem Gelände für Übungen der Armee mit scharfer Munition erreicht worden.

Seit Mitte der Achtziger Jahre versucht das Militär, die (nach heutigem Stand) rund 1500 Palästinenser in 12 Dörfern auf diesem als “Firing Zone 918″ bekannten Gelände loszuwerden. 1999 wurden einmal alle Bewohner aus der der Zone deportiert. Doch nach fünf Monaten entschied Israels Oberster Gerichtshof, dass sie zurückkehren durften, da das Militär ihnen keine Alternative für eine Ansiedlung gestellt habe. Seitdem geht der Fall immer wieder vor verschiedenen Gerichten hin und her, und die Armee besteht zumindest darauf, dass keine neuen Gebäude (das beinhaltet auch Zelte, Ställe, Klohäuschen etc.) errichtet werden.

Laut Armee ähnelt das Terrain im Süden des Westjordanlandes dem Südlibanon. Und um auf künftige Kriege im Libanon besser vorbereitet zu sein, als auf die in der Vergangenheit, müssen die Soldaten genau hier üben. Zudem behauptet die Armee, dass die meisten Hirten in diesen Dörfern sich ohnehin nicht das ganze Jahr über hier aufhalten. Ein Großteil von ihnen habe Häuser in der nahen Stadt Yatta, was die Palästinenser allerdings heftig bestreiten.

Insgesamt hat die Militärverwaltung knapp ein Drittel der Gebiete im Westjordanland, die vollständig unter israelischer Kontrolle sind (sogeannte C-Gebiete) zu “Firing Zones” erklärt, auf denen sich niemand aufhalten darf. Dazu, welche Auswirkungen das auf das Leben der Palästinenser hat, die dort zum Großteil seit Generationen leben, hat das Uno-Büro für humanitäre Hilfe ein Fact Sheet erstellt.

 Für die Bewohner von Um Faqarah, wie Familienvater Naaman Hamandi, hatte das zuletzt vor allem die Auswirkung, dass er nach der Abrissaktion mit seinen Kindern und seiner Frau komplett im Dunkeln saß. Die Hirten in dieser Gegend wohnen seit Generationen in Höhlen unter der Erde. Das habe den Vorteil, dass es da im Sommer viel kühler und im Winter viel wärmer wäre als in modernen Häusern, beschwört Naaman. Es hat aber auch den Nachteil, dass es dadrin sogar tagsüber stockdunkel ist. Eine Wahl hat er ohnehin nicht. Immer wenn jemand bisher versuchte, in Um Faqarah ein Haus oder auch nur ein Zelt über der Erde aufzustellen, wurde es über kurz oder lang von der Armee abgerissen.

Die "Solar-Anlage" auf der Höhle von Naaman Hamandi

Die “Solar-Anlage” auf der Höhle von Naaman Hamandi

Andere von Israel als illegal betrachtete palästinensische Dörfer in den C-Gebieten bekommen neuerdings Hilfe von israelischen oder europäischen Organisationen. So unterstützte die deutsche Bundesregierung etwa die Errichtung moderner Solaranlagen im Dorf Susja, das nicht weit von Um Faqarah liegt. In die “Firing Zones” kommen die Helfer bisher allerdings kaum. Hier ist schon allein das Betreten verboten, ganz zu schweigen vom Aufbau nicht genehmigter Anlagen oder Entwicklungsprojekte.

 So musste Naaman Hamandi zur Selbsthilfe greifen, und baute aus solarbetriebenen Warnleuchten von einer Baustelle eine Funzel. In Israel (und in der von Israel kontrollierten Westbank) sind die Dinger oft solarbetrieben. Tagsüberladen sie sich auf und blinken dann die ganze Nacht. Naaman stellte die gelben Plastikhüllen mit der kleinen Photovoltaikplatte außen über dem Eingang seiner Höhle auf. Die Leuchtdioden und den Akku baute er aus, befestigte sie innen am Höhlendach und verband das ganze mit dünnen Drähten.  Die Schaltung, die für das Blinken sorgt, enfernte er.  Einen Schalter hat die Konstruktion nicht. Um das Licht, das aus vier winzigen Dioden schwächer als jede Taschenlampe besteht, anzumachen, muss man die Enden der Drähte aneinanderhalten.

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