Archiv für August 2012
Deutsche Technik für israeliche Siedlung
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Wirtschaft am 27. August 2012

Arabische Arbeiter installieren deutsche Solarpanels auf dem Dach einer jüdischen Schule in einer Siedlung (laut Israel “jüdisches Stadtviertel”) in Ostjerusalem.
Die EU unternimmt zwar Anstrengungen, israelische Siedlungen in den besetzten Gebieten einschließlich Ost-Jerusalems zumindest von den Zollprivilegien auszuschließen, die Israel beim Einfuhr in die EU genießt. Aber exportieren können die Europäer dahin immer noch ungehindert. Die Postleitzahl der hier abgebildete Schule findet sich auf der neuen, von der EU-Kommission veröffentlichten Liste illegaler israelischer Siedlungen, die keine Zollpräferenzen bekommen sollen.
(Anzumerken ist, dass ein Exporteur nicht in jedem Fall nachverfolgen kann, in welchem Gebiet seine Ware am Ende landet, wenn er etwas etwa an ein israelisches Ministerium oder die Jerusalemer Stadtverwaltung landet.)
Öl unter dem Westjordanland
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Wirtschaft am 25. August 2012
“Öl. Religion. Besatzung. Und möglicherweise Hebron. Eine brandgefährliche Mischung. Boom Boom!”
Das ist der “Kommentar” eines britischen Diplomaten in Ost-Jerusalem in einer E-Mail über die wie er ausdrückt “hohe Wahrscheinlichkeit”, dass Israel ein Ölfeld ausbeute, dass auch unter das Westjordanland reicht, und dass es weitere Ölfelder gibt - unter anderem in der Nähe Hebrons, einem Brennpunkt des Konflikts zwischen israelischen Siedlern, der Armee und den Palästinensern.
Der britisch-palästinensische Analyst Victor Kattan, über dessen Studie über das Gasfeld in Gaza ich vor einigen Tagen hier gepostet hatte, hat diese E-Mail und einige andere zum Thema vom brititschen Außenministerium auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes erhalten. Die jüngste Mail, die sich speziell mit der Möglichkeit von Ölfeldern und deren Ausbeutung im Westjordanland beschäftigt, stammt von Anfang dieses Jahres.
Die britischen Diplomaten spekulieren, die palästinensische Autonomiebehörde könne sich komplett selbst finanzieren, wenn sie ihre eigenen Bodenschätze ausbeuten könnte. Derzeit steht die Behörde wieder mal am Rande des finanziellen Zusammenbruchs und wird von europäischen Ländern, wie Großbritannien und Deutschland, den USA und den arabischen Golfstaaten mit Hilfen von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr am Leben gehalten. Die Briten halten die Rohstofffrage daher nicht nur für eine israelisch-palästinensische Streitfrage, sondern auch direkt für eine “UK-Steuerzahler-Angelegenheit”.
Tänze in Jerusalem
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Kultur, Palästinenser, Uncategorized am 19. August 2012
Zwei, nicht mit einander zusammenhängende Szenen in Jerusalem, auf die ich kurz hintereinander gestoßen bin…
Verzeihung für die Handy-mässige Qualität der Aufnahmen!
Koschere Telefone behindern Raketenalarm
Veröffentlicht von nahostpost in Uncategorized am 17. August 2012
Das Heimatschutzkommando der israelischen Armee hat in den vergangenen Tagen ein Warnsystem für Raketenbeschuss getestet, bei dem die Bewohner in bestimmten Gebieten, in denen ein Einschlag erwartet wird, per SMS auf dem Handy gewarnt werden. Im Süden Israels in der Nähe des Gazastreifens wird das System schon seit einiger Zeit genutzt.
Bei der Ausweitung des System auf das ganze Land gilt es nicht nur technische Hürden zu überwinden, sondern auch religiöse. Mehrere Hunderttausend ultraorthodoxe Juden, die im Zentrum Israels und in Jerusalem wohnen, nutzen nur “koschere” Mobiltelefone. Das heißt vor allem, dass die SMS-Funktion, Internet ect. nicht zugänglich sind. Aber ultraorthodoxe Tüftler arbeiten laut der Jerusalem Post schon daran, das Problem zu beheben.
Offener Streit zwischen EU und Israel
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Wirtschaft am 16. August 2012
Der Ton zwischen israelischen und EU-Diplomaten ist in letzter Zeit geradezu feindselig geworden. Neuerster Aufreger: eine Liste der EU, die aus Israels Sicht unstrittige Städte zu Siedlungen erklärt. Die Brüsseler Kommission veröffentlichte erstmals eine Liste mit Orten in besetzten Gebieten, die keine Zollpräferenzen für Europa bekommen sollen. Diese Woche trat diese Liste in Kraft.
Israel hat der EU vorgeworfen, den Friedenprozess mit den Palästinensern zu torpedieren. Hintergrund ist ein neues Dokument, in dem die Brüsseler Kommission alle Ortschaften und jüdischen Siedlungen auflistet, die aus EU-Sicht in besetzten Gebieten und nicht in Israel liegen. Diese Orte sollen nicht in den Genuss von Zollermäßigungen bei der Einfuhr in die Union kommen, wie es laut dem EU-Assoziationsabkommen mit Israel bei Produkten aus dem israelischen Staatsgebiet von vor 1967 der Fall ist. Diese Regelung gilt bereits seit 2005. Bislang hatte die Kommission allerdings keine Ortsliste veröffentlicht.
„Es steht der EU nicht zu, diese Orte aufzulisten und damit ein Ergebnis der Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern vorwegzunehmen“, sagte eine Sprecherin des israelischen Außenministeriums. Damit habe die Kommission die „laufenden diplomatischen Verhandlungen gekappt“.
Augenbrauenzupfen in Gaza
Veröffentlicht von nahostpost in gaza, Palästinenser am 16. August 2012
Seit 14 Jahren betreibt Raed seinen Friseursalon in Dschabalija im Gazastreifen. Die Lage sei wiedermal schlecht, erzählt Raed, der wie offenbar Friseure überall in der Welt gerne erzählt. Vor allem hätten die Kunden kaum Geld, die Preise für Haarschnitte, Rasuren etc. seien zu niedrig.
Dazu gibt es wieder einmal kaum Strom. Erst vor wenigen Wochen war es mal etwas besser geworden, weil das Emirat Katar begonnen hatte Sprit in den Gazastreifen zu liefern. Daraufhin konnte das einzige Kraftwerk in Gaza zum ersten Mal seit 2006 zumindest ein paar Stunden pro Tag auf vollen Touren laufen. Das heißt dann, dass gemeinsam mit den Stromlieferungen aus Israel und aus Ägypten dann zwischen der Hälfte und zwei Dritteln des Strombedarfs in Gaza gedeckt werden kann. Doch diese etwa bessere Zeit war vor knapp zwei Wochen wieder vorbei, als Ägypten infolge des Terroranschlags auf seine Soldaten auf dem Sinai unweit des Gazastreifen, die Grenze wieder dichtmachte und die Spritlieferungen stoppte. Nun gibt’s für Raed wieder eine oder vielleicht zwei Stunden Strom am Tag. Wann, weiß man auch nie genau. Deshalb rufe er, wenn es Strom gibt, sofort seine Kunden per Handy auf der Warteliste an, die dann so schnell wie möglich kommen. Geregelte Öffnungszeiten gibt es nicht mehr.
Ohne Strom, dass heißt ohne Licht, Föhn und vor allem diverse Haarschneidemaschinen kann Raed seine Kunst nicht ausüben – nicht bei den anspruchsvollen Herren im Gazastreifen! Für einen mitteleuropäischen Besucher ist es durchaus überraschend, welchen Aufwand nicht nur pubertierende Jungs, sondern auch alte Islamisten mit Vollbärten und traditionellen arabischen Gewändern bei der Haarpflege betreiben. Der Gel- und Haarsprayverbrauch in Raed’s Salon in enorm. Ohne die Augenbrauen gezupft zu bekommen, geht hier niemand aus dem Laden, selbst gestanden alte Männer nicht. Einer der Kunden erzählte, der habe sogar im Salon übernachtet, weil es am Vorabend, als er kam, wiedermal keinen Strom gab. Statt unfrisiert nach hause zu gehen, habe er beschlossen zu warten, bis der Strom wieder da ist.
Terrorismus gemäß Youtube-Guidelines
Veröffentlicht von nahostpost in Ägypten am 15. August 2012
Bei Recherchen zum Thema Sinai bin ich neulich auf dieses Video gestoßen. Die Gruppe, deren Gründung hier verkündet wird, “Schura-Rat der Mudschahidin”, hatte die Verantwortung für Selbstmordattentate auf der ägyptischen Sinaihalbinsel übernommen. Ob das Video und die Selbstbezichtigung echt sind, ist nicht ganz klar. Ziemlich eindeutig ist jedoch, dass das Video terroristische Drohungen enthält (vor allem gegen ”die Juden”, aber auch allgemein wird das Ende von “Nationalismus, Demokratie und Säkularismus” versprochen).
YouTube | Broadcast Yourself™
Action Taken
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Gazas Gasfeld
Veröffentlicht von nahostpost in Israel, Palästinenser, Uncategorized, Wirtschaft am 15. August 2012
Eine interessante Analyse, die daran erinnert, dass die allgemeine Wahrnehmung, in den Palästinensergebieten gebe es keine Bodenschätze, nicht zutrifft.
http://al-shabaka.org/policy-brief/economic-issues/gas-fields-gaza-gift-or-curse
Die Palästinenser haben nur bisher nichts von ihren Ressourcen. Zusätzlich zu dem Gasfeld vor Gaza gibt es auch ein Ölfeld, das zumindest teilweise unter dem palästinensischen Westjordanland liegt. Ganz zu schweigen von den Mineralien des Toten Meeres, die ganz, und dem Kalkstein, der teilweise von israelischen Unternehmen abgebaut und vermarktet wird.
Leben im Horror-Dreieck
Veröffentlicht von nahostpost in Uncategorized am 8. August 2012
Vergleiche hinken immer und führen vor allem in Nahen Osten oft völlig in die Irre. Aber bei einem Besuch im Kibbutz Kerem Schalom, der dem einzigen Waren-Übergang in den Gazastreifen den Namen gegeben hat, erinnerte mich heute die Entschlossenheit der Bewohnern, dem ständigen Granatbeschuss und nun Risiko von Angriffen aus Ägypten heraus zu trotzen, unwillkürlich an das Ausharren der Palästinser auf der “Firing Zone 918″, die ich gerade vor zwei Tagen besucht hatte.
Der Kibbutz Kerem Schalom (deutsch “Weinberg des Friedens”) hat nicht nur einen romantischen Namen. Er ist auch einer der wenigen verbliebenen “echten” Kibbutzim fast ohne persönliches Eigentum, wo alle Mitglieder noch entweder direkt für die Gemeinschaft arbeiten oder ihr komplettes Gehalt in die Gemeinschaftskasse einzahlen. Wenig romatisch ist allerdings die Lage des Kibbutz im Dreieck zwischen dem Gazastreifen, Ägypten und Israel.
“An die ständigen Granaten aus Gaza sind wir ja gewöhnt”, sagt Andy ein 58-jähriger Biologe, der in der ausgedehnten Landwirtschaft des Kibbutz arbeitet. Daran, dass der Gazastreifen nur wenige hundert Meter entfernt ist, erinnert - auch wenn gerade Ruhe herrscht – die massive Betonwand, die die Siedlung halb einschließt und direkten Beschuss verhindern soll.
Dass es wiedermal Granateneinschläge geben würde, dachten auch die Bewohner am vergangenen Sonntagabend zunächst, als sie über SMS alarmiert und zum Aufsuchen der Schutzräume aufgerufen wurden. Als sie da allerdings bis Mitternacht bleiben mussten, “ahnten wir, dass diesmal etwas schlimmeres passiert ist”, erzählt Andy.
Tatsächlich hatten - immer noch offiziell nicht identifizierte – Angreifer in der Zwischenzeit einen ägyptischen Polizeiposten auf der ägyptischen Seite der Grenze gestürmt, 15 oder 16 Polizisten ermordet, ein gepanzertes Fahrzeug gestohlen, den Grenzübergang Rafah nach Isarel (nicht zu verwechseln mit dem Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza weiter im Nordwesten) mit einem sprengstoffbeladenen Lkw in die Luft gesprengt und waren mit dem gepanzerten Fahrzeug nach Israel eingedrungen. Das alles spielte sich in einem Radius von nur wenigen Kilometern des Kibbutz ab. Kurz bevor es von den Israelis (wahrscheinlich aus der Luft) komplett zerstört wurde, passierte das Fahrzeug der Terroristen die Zufahrtstraße des Kibbutz. Armeeangehörige gehen davon aus, dass es reiner Zufall ist, dass sie nach Kerem Schalom nicht abbogen.
Allen im Kibbutz und in Israel ist klar, dass die Bedrohung aus dem ägyptischen Sinai zusätzlich zum Raketen- und Granatenbeschuss aus Gaza auf absehbare Zeit nicht wieder verschwinden wird. In Kerem Schalom denke allerdings keiner ans Wegziehen, erzählt Andy. Im Gegenteil der Kibbutz wachse sogar seit Jahren. Derzeit gibt es mehr Anfragen interessierter Familein als die Gemeinschaft aufnehmen kann.
Update zur “Firing Zone 918″
Veröffentlicht von nahostpost in Uncategorized am 8. August 2012
Die Menschenrechtsorganisation B’tselem und Operation Dove dokumentieren eine Armeerazzia in “Jinba” innerhalb der “Firing Zone 918″, in der auch das Dorf Um Faqarah liegt, das ich am Montag besucht und über das ich gestern hier berichtet habe.



