Archiv für Juli 2011

Schritte aus der kulturellen Isolation

Erstmals kommen arabische Popstars nach Ostjerusalem. Und ein neues Kulturzentrum belebt die bislang mausetote Szene.

Jerusalem-Festival 2011

Jerusalem-Festival 2011

In den meisten – zumal arabischen – Städten der Welt wäre es kaum eine Schlagzeile wert, doch für Ostjerusalem ist eine Sensation: Mit dem Franko-Algerier Raschid Taha und dem Iraker Ilham al-Madfai kommen an diesem Wochenende zum ersten Mal zwei echte arabische Stars in die Stadt. ”Wir leiden bislang unter einer kulturellen Isolation”, klagt Rania Elias, die Direktorin des arabischen “Jerusalem Festivals”, das morgen beginnt. Taha und al-Madfai brechen ein Tabu, indem sie beim diesjährigen Festival im von Israel als Teil seiner Hauptstadt betrachteten Ostjerusalem auftreten.

Ostjersulam hat rund 250 000 arabische Einwohner und ist damit die nach Gaza zweitgrößte palästinensische Stadt. Alle Palästinenser betrachten Jerusalem als ihre Hauptstadt. Doch die arabischen Teile der Stadt wirken eher wie übervölkerte und trotzdem verschlafene Dörfer, und nicht wie Teile einer Metropole. Kulturell ist hier tote Hose.

“Es gibt einige kulturelle Institutionen”, erzählt Elias. Diese Museen und Stiftungen bemühen sich, die palästinensische Folklore zu bewahren, und präsentieren ab und zu auch Avantgardistisches. Für die ganz normale Populärkultur gibt es aber überhaupt keine Orte.  In der ganzen Stadt gibt es etwa nicht ein einziges arabisches Kino. Clubs, Cafés etc. Fehlanzeige. Selbst arabische Buchhandlungen mit arabischer Literatur gibt es nicht. Damit fällt Jerusalem selbst gegen die palästinensischen Städte in der Westbank ab – vor allem gegenüber dem Kultur- und Nachtleben im kleinen Ramallah.

Ein wenig soll jetzt das “Yabous-Kulturzentrum” diese Lücke füllen, das heute im alten Al-Quds-Kino in Ostjerusalem eingeweiht wurde. Der rund sieben Millionen Dollar teure Komplex soll unter anderem ein Kino, einen Konzertsaal, Ausstellungsräume und ein Café beherbergen. Fertig ist es noch nicht, aber einige der Veranstaltungen des diesjährigen Jerusalem Festivals sollen schon in dem Gebäude stattfinden.

Noch ist das "Yaboos"-Zentrum eine Baustelle. Morgen allerdings soll hier das arabische Jerusalem-Festival beginnen

Noch ist das "Yabous"-Zentrum eine Baustelle. Morgen allerdings soll hier das arabische Jerusalem-Festival beginnen

Fragt man bei Arabern in Ostjerusalem, warum in ihrer Stadt nichts los ist, liegt es an der “israelischen Besatzung”. Tatsächlich hat die jüdisch-geführte Stadtverwaltung seit der Annexion vor 45 Jahren so gut wie nichts in die arabische Kulturszene in Ostjerusalem investiert. Die Kultur bleibt nicht verschont von der allgemeinen Misere Ostjerusalems. In den vergangenen Jahren investierte die Stadt Schätzungen zufolge nur 10-15 Prozent ihres Budgets in den arabischen Vierteln. Das führte dazu, dass es an allem fehlt von Straßen bis hin zu Schulen, Parks, Spielplätzen usw.

Daneben boykottieren bislang allerdings auch die Araber innerhalb und außerhalb Palästinas die Stadt. Das gilt gemeinhin als Beitrag gegen die von vielen verabscheute “Normalisierung” im Umgang mit Israel, das hier nunmal herrscht.  Arabische Künstler – ebenso etwa wie Geschäftsleute oder Pilger – , die nach Ostjerualem reisen würden,  würden sich verdächtig machen, diese “Normalisierung” voranzutreiben und damit die palästinensische Sache zu verraten.

Drinnen ist schon mehr zu erkennen: Etwa die "Mahmud-Darwisch"-Lounge. Die sieben Millionen Dollar, die das moderne Zentrum gekostet hat, stammen großteils von palästinensischen und arabischen Spendern, unter anderm vom marokkanischen Königshaus

Drinnen ist schon mehr zu erkennen: Etwa die "Mahmud-Darwisch"-Lounge. Die sieben Millionen Dollar, die das moderne Zentrum gekostet hat, stammen großteils von palästinensischen und arabischen Spendern, unter anderm vom marokkanischen Königshaus

Die Auftritte von Raschid Taha und Ilham al-Madfai könnten dazu beitragen, dass sich diese Haltung ändert und Jerusalem in die arabische Kulturszene integriert wird. “Ich hoffe, dass das ein Anfang ist”, sagt Rania Elias.

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Glenn Beck zieht Show in der Knesset ab

Um einen offenbaren Mangel an Extremisten im Nahen Osten zu beheben, hatten sich einige israelische Parlamentsabgeordnete den christlich-fundamentalistischen Talkmaster Glenn Beck aus den USA eingeladen. Gestern trat das Idol der rechtsextremen amerikanischen Kleinbürger in der Knesset auf und erntete Begeisterungsstürme. Seine Hauptbotschaft etwa: Vergesst den Friedensprozess! Alles für Israel und nix für die Palästinenser.

Hier ein schöner Bericht des +972-Magazins

Beck hat offenbar das Gefühl, Israel wartet darauf von ihm gerettet zu werden. Im August will er schon wieder kommen und eine Großdemo zur Unterstützung der israelischen Rechten in Jerusalem abhalten.

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Palästinas erster Picasso

In Ramallah gibt es eine sehr sehr kleine Ausstellung noch bis Monatsende. Ein einziges Picassogemälde ist in der Internationalen Kunstakademie zu sehen. Für viele Palästinenser ist es dennoch eine große Sache, denn bisher hatte noch nie ein Museum in Europa oder sonstwo gewagt, ein vergleichbar wertvolles Gemälde in die Palästinensergebiete auszuleihen.

Gesamtkunstwerk: Polizisten und Picasso in Ramallah

Gesamtkunstwerk: Polizisten und Picasso in Ramallah

Auch wenn man schon viele Picassos gesehen hat. Das wohl einmalige Verhältnis von Kunstwerken zu Besuchern (ich war allein im Raum) zu Bewachern schafft ein ganz besonderes Feeling.

Noch mehr Uniformierte im Vorraum

Noch mehr Uniformierte im Vorraum

Mehr zu der Aktion (das Bild nach Ramallah zu bringen, ist ja eher eine Performance als ein bloßes Ausstellungsprojekt) gibt es in diesem Artikel in der FTD.

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